Baukastenprinzip meint hier im Sinne einer Modularität die Einteilung eines Gesamtprozesses in einzelne Schritte und Prinzipien, die dann in verschiedenen Situationen flexibel eingesetzt werden können. Diese Haltung, in der jeweiligen Anforderung angepassten und kombinierbaren Versatzstücken zu denken, macht aus einem Werk in der Kunst ein Werkzeug. Ergebnis einer künstlerischen Auseinandersetzung sind nicht mehr – überspitzt formuliert – in Stein gemeißelte Werke für die Ewigkeit, sondern ein Werkzeugkasten mit flexibel anwendbaren und der jeweiligen Situation anpassbaren Strategien und Ausdrucksweisen. So präsentiert das Künstlerkollektiv Superflex auf ihrer Website die einzelnen Arbeiten als ‚tools‘ (dt. Werkzeuge).[1] Die künstlerische Arbeit wird zu einem Mittel, zu einem Werkzeug, um Prinzipien, Phänomene und Erscheinungen in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zu reflektieren. Über einen veränderten Werkbegriff hinaus kann ein Baukastenprinzip bei kollektiven Prozessen die einzelnen Module für alle zugänglich machen. Die Aufgaben,  gemeinsam oder von Einzelnen erledigt, werden in einzelne Schritte/ Module zerlegt, sodass sie für jede/n aus der Gruppe nachvollziehbar sind und von jeder/m ausgeführt werden können. Alle für das Gesamtprojekt wichtigen Prinzipien und Strategien können also in einzelne Bausteine aufgeteilt und somit für alle zugänglich und auch für jede/n eigenständig einsetzbar gemacht werden.

Treibt man den Gedanken weiter und schafft eine geeignete Dokumentation und eine sinnvolle Aufarbeitung im Sinne einer verständlichen Darstellung der einzelnen Bausteine, kann der gesamte Ablauf auch für Personen außerhalb der ursprünglichen Gruppe nachvollziehbar und anwendbar gemacht werden. Die einzelnen Bausteine lassen sich so auch für Außenstehenden verwirklichen. Darin besteht die Möglichkeit, dass sich das Projekt, der Gedanke, unabhängig von Einzelpersonen – zumindest nach getaner Vorarbeit und entsprechender Aufbereitung – umsetzen lässt. Die einzelnen Schritte, die einzelnen Bausteine, lassen sich flexibel je nach Situation anwenden. Durch diese Aufteilung ist man nicht auf eine eins-zu-eins Kopie angewiesen. Das Projekt muss nicht einfach, reproduzierend in derselben Form nachgemacht werden, vielmehr kann es somit auf die eigene Situation angewendet werden und an unterschiedliche Bedingungen angepasst werden.
Der Entstehungsprozess, der künstlerische Prozess, wird für Außenstehende sichtbar. Er kann also zu einem – zumindest  im Kollektiv, in der Gruppe, für alle zugänglichen, offenen Vorgang werden und bleibt somit kein undurchschaubarer, geheimnisvoller Schöpfungsakt eines genialen Schöpfers.
Durch ->Kollektives Handeln werden einzelne künstlerische Ausdrucksweisen und Strategien zu anwendbaren Modulen.

[1] http://www.superflex.net/tools



 

Baukastenprinzip

Contact: Franziska Wirtensohn, Michael Wittmann

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