Gottfried Weber, Mitglied der Freien Klasse München, betont: Würde man die fünf Mitglieder der Freien Klasse München getrennt voneinander zu einem Projekt befragen, bekäme man mit Sicherheit fünf verschiedene Antworten. Und das sei auch gut so. Dies ist bewusst so geduldet, und nicht nur das, sondern es ist auch intendiert. Es geht nicht darum, sich in der Entwicklung und der Kommunikation bei einem Projekt auf eine Einheitsmeinung einzuschränken. Nur dadurch dass fünf individuelle Positionen und Herangehensweisen gleichberechtigt nebeneinander stehen, können ein konstruktiver Austausch und eine Auseinandersetzung stattfinden.[1]
Eine Kommunikation, die die Ideen aller wertschätzt und alle Meinungen respektiert,  ist hier also Voraussetzung für eine Zusammenarbeit. Das bedeutet aber nicht, dass sich die Auseinandersetzung in Belanglosigkeit und Beliebigkeit verliert, bei der einfach alle durcheinander und gegeneinander ihre Vorstellungen äußern. Es geht darum, die entscheidenden Gedanken in solch eine schlichte Form zu bringen, damit alle sie verstehen, damit umgehen und konstruktiv einsetzen können. Dabei ist es notwendig, die Gedanken offen genug angelegt zu lassen, damit alle Beteiligen ihre eigene Position und Haltung miteinfließen lassen können. Die Kommunikation dient somit der gemeinsamen Ideenfindung. Wie schon im Abschnitt -> vorhandene Potentiale nutzen (‚The Geodesic Dome‘, Schritt1), geht es hier um ein Kommunikations- anstatt einem Sendungsbewusstseins des/r Künstler/In.
Die Kommunikation muss also dahingehend strukturiert sein, dass keine Hürden und Hemmungen entstehen, dass alle sich äußern können und wollen, Gehör finden und ein wertschätzender Austausch möglich ist. Die Kommunikation muss also für alle gleichberechtigt zugänglich sein ->freier Zugang, dabei aber klare Strukturen und Verantwortlichkeiten beinhalten -> non-hierarchische Strukturen und alle Beteiligten als mündige Individuen begreifen ->Augenhöhe. Sie sollte über Sprachgrenzen hinweg funktionieren. Nicht nur Sprachgrenzen zu überwindenden, stellt im Idealfall auch eine wesentliche Eigenschaft  kollektiver Prozesse in der Kunst dar: „[Nicht nur] wenn man sein Anliegen nur in der Sprache ausdrücken kann, die vom Gegenüber dominiert wird, bietet Kunst eine Alternative. Sie kann helfen, bestimmte Probleme in einer anderen Sprache zu vergegenwärtigen, sie bietet die Möglichkeit, die oft auch sprachlosen Affekte, die Wut, das Suchen als Nicht-Darstellbares zu artikulieren.“[2] In Bezug auf kollektive, kollaborative Kunst stellt Terkessidis fest: „Nun ist der Inhalt jeder Form von Kunst zweifellos Kommunikation. In den letzten Jahren wurde Kommunikation auch ganz direkt zum Objekt von Kunst.“[3] So geht es bei ->kollektivem Handeln logischerweise nicht immer nur über Sprache funktionierenden Kommunikation auch darum, die Haltung kollektiven Handelns zu vermitteln.

[1] Gespräch mit Gottfried Weber-Jobe | [2] Mark Terkessidis: Kollaboration, S. 223 [3] ebendieser, S. 187

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