Was also ist kollektives Handeln? Die Freie Klasse München erklärt in ihrem ‚Manifest für eine bessere Welt‘: „Der Sinn von Gruppen ist für uns: Die Überwindung des Konkurrenzprinzips in dem Sinne, dass das kollektive Nutzen der jeweiligen persönlichen Ressourcen möglich ist. Die Potenzierung des Gedankenkapitals für die bessere Welt – und es ist sowieso die Freie Klasse München mehr als die Summe ihrer Mitglieder. Das weiß jeder. Oder auch nicht.“[1]
Dieses Statement fängt schon mit einem sehr wesentlichen Begriff an: In vielen kollektiven Prozessen, in gemeinsamen Prozessen in der Gruppe, ist ein sehr essentieller Teil, die gegenseitige Konkurrenz dahingehend aufzulösen, dass man die eigenen Ideen, die eigene künstlerische Ausdrucksweise für die anderen Gruppenmitglieder zur Verfügung stellt – mit dem Ziel, diese gemeinsam weiterentwickeln zu können. Das muss natürlich auf Gegenseitigkeit beruhen und setzt einiges an gegenseitigem Vertrauen voraus. In der Kunst scheint es da oft noch Berührungsängste zu geben, ist man doch nach eigenem Selbstverständnis die/der (wenn meist auch noch nicht entdeckte) große Künstler/In. So gibt es auch eine immer wieder zu beobachtende Angst, die eigenen Ideen zu teilen. Überwindet man diese Hindernisse, kommt es zur „Potenzierung des Gedankenkapitals“[2], wie die Freie Klasse München es formuliert. Ideen können gemeinsam angepackt und weiterentwickelt werden, Synergieeffekte stellen sich ein. Daraus ergibt sich dann folgerichtig auch, dass eine Gruppe „mehr als die Summe ihrer Mitglieder“[3] ist. Gemeinsam etwas zu entwickeln ist konstruktiver und zielführender als das, was einzelne Personen gemacht haben und dann im Nachhinein zusammenzutragen.
Die Freie Klasse München erstellt ihr Manifest „für eine bessere Welt“. Verbunden mit einem weiteren Statement aus dem Manifest, „Wir setzen auf kollektive Handlungsweise und verstehen uns nicht als Gruppe, die Plattform ist für ihre Mitglieder oder Sprungbrett hin zum Galerienmarkt und dessen Kunstverständnis.“[4], erschließt sich, was diese bessere Welt für kollektives Handeln bedeutet. Ein Kollektiv kann ein bewusstes Statement sein, über das bestehende (Kunst)System kritisch zu reflektieren und auch ein Gegenmodell zu entwerfen. Es bildet das vorhandene System in seiner Struktur nicht einfach ab.
Mark Terkessidis bringt das wütende (im Sinne von kritisch denkendem), suchende, sich bildende Individuum als Voraussetzung für kollektive, also in einer Gemeinschaft konstruktive Prozesse ins Spiel. ,Kollaboration‘ ist für ihn sowohl eine Art zu denken als auch eine Sprache sich zu verständigen.[5]

[1], [2], [3], [4] Freie Klasse: Total gescheitert 1992 – 2003, S. 102

[5] Mark Terkessidis: Kollaboration

Kollektives Handeln

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