Freier Zugang beschreibt die Vorstellung, dass die Erreichbarkeit von Bildung, aber auch von elementaren Kenntnissen und Wissen sowie von Technologien,  die zur Teilhabe an einer Gruppe oder an der Gesellschaft nötig sind, nicht durch politische, finanzielle oder sonstige Hürden reglementiert ist.
Einerseits lässt sich diese Idee im Kleinen in der Gruppe, in einer Organisation oder in einem Künstler-Kollektiv anwenden. Jede/r bekommt gleichermaßen Zugang zu allen Ressourcen und erhält ein Mitspracherecht bei den zentralen Themen und Entwicklungsschritten.Auf diese Art und Weise interpretiert, stellt freier, offener Zugang eine Form der Ideenfindung, Umsetzung und Weiterentwicklung dar.
Andererseits lässt sich die Idee von freiem Zugang vor allem auch als gesamtgesellschaftliche Forderung formulieren: Offener Zugang zu Information und Wissen, vor allem auch zu Bildung und Technologien ohne strukturelle, politische oder finanzielle Hürden, um gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Somit ist freier, offener Zugang als politisches Statement zu verstehen.
Aus der Software-Entwicklung kennt man die Begriffe Freie Software und OpenSource. Freie Software bezeichnet Software, die nicht kostenlos sein muss, aber worauf der/die NutzerIn freien Zugriff hat. Der Quellcode, die Programmierung  darf verändert, kopiert, verteilt werden.[1] Freie Software wurde durch Richard Stallmanns Postulat: „Free as free speech and not as free beer.“, „Frei wie freie Meinungsäußerung und nicht wie Freibier“, geprägt. „Free“ bezieht sich auf Freiheitsrechte; Freie Software versteht sich also unter anderem sehr stark als ethische, gesellschaftspolitische Initiative.[2]
Open Source ist quelloffene Software, bzw. Open Source Hardware eben frei zugängliche Hardware. In der Ausrichtung hingegen pragmatischer sieht Open Source die quelloffenen Codes als Möglichkeit, Programme und Technologien durch kollektive Prozesse, an denen sich möglichst alle beteiligen können, anders und damit innovativer als bisher weiterzuentwickeln. Somit könnte man Open Source mit dem oben beschriebenen offenen Zugang innerhalb einer Gruppe als Form der Ideenfindung vergleichen und Freie Software als oben genanntes politisches Statement.[3]
Wodurch ist der Zugang nun ermöglicht oder eben (auch bewusst) versperrt?
Zugang kann natürlich immer politisch intendiert versperrt  werden. Abgesehen von solch gewollten Blockaden ist im Kapitalismus der Zugang klassischerweise durch Geld geregelt. Pierre Bourdieu sieht noch weitere sehr entscheidende Formen des Kapitals, welche die Gesellschaft einteilen: neben dem ökonomischen, das kulturelle, symbolische und soziale Kapital.[4] Kunst und Kultur sind dabei in ihrer (nur) scheinbaren Brotlosigkeit, also (nur) scheinbaren ökonomischen Kapitallosigkeit, besonders dadurch gefährdet, dass andere Kapitalformen, wie kulturelles und symbolisches Kapital umso mehr greifen. Auch diese Frage kann essentiell für kollektive Prozesse sein: Will man versuchen, den Zugang innerhalb und außerhalb der Gruppe entgegen der schon von Bourdieu kritisierten, vorherrschenden Regulierung durch die unterschiedlichen Kapitalformen zu regulieren?

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Software
[2] http://www.gnu.de/free-software/index.de.html
[3] https://opensource.org
[4] Pierre Bourdieu: Praktische Vernunft

Freier Zugang

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